Sophia Hoffmann

Liebesgrüße aus Island

Ich liebe Island. Und ich liebe einen Isländer. Was dazu führt, dass ich mittlerweile schon etwas öfter auf der einzigartigen Insel war als der Otto-Normal-Island-Urlauber.

Hier mein fotografisch-kulinarischer Reisebericht von meiner letzten Reise im August 2017.

Die ersten 1 1/2 Wochen verbrachte ich in der Hauptstadt Reykjavík. Da mein Freund dort beruflich zu tun hatte (er war Mitorganisator eines Festivals für junge zeitgenössische Musik), nutzte ich die Zeit als sogenannte Workation.

Halb work – halb vacation. Für meine Arbeit am Computer fand ich bald zwei Lieblingsorte:

Reykjavík Roasters und Kaffi Vinyl.

Reykjavík Roasters hat zwei Filialen in der Stadt, die im Zentrum, unweit der eindrucksvollen Hallgrímskirkja, ist sehr busy und eignet sich nicht wirklich zu arbeiten. Aber es gibt eine zweite, die unglaublich gemütlich ist und fantastischen Hafermilch-Cappucino, WLAN und eine gemütliche Couch bietet. Im Campus Sandwich Deli schräg gegenüber gibt es frisches warmes Hummus und ein leckeres veganes Sandwich.

Das Kaffi Vinyl ist ein veganes Café/Plattenladen. Wer auf Gitarrenmusik der letzten 60 Jahre, Vintage Möbel und leichten Hippie-Flair steht, ist hier bestens aufgehoben. Ich habe einen reichhaltigen gemischten Salat mit einem sehr großen Bohnenfalafel (drei kleine wären mir lieber gewesen) gegessen, vegane Lasagne und hausgemachte Bountyriegel. Es gibt ebensfalls guten Kaffee und hausgemachten Wasserkefir (lecker!).

Weitere Tipps für Reykjavík:

Shalimar – ohne Witz eines der BESTEN pakistanischen Restaurants in denen ich je war mit veganen Optionen!

Braud & Co. – das beste Sauerteigbrot der Stadt

Glo – Restaurant im Kantinen-Style mit mehreren Filialen, (roh-) vegane Optionen, gegründet von Köchin und Kochbuchautorin Sólveig Eiríksdóttir, die 1996 das erste vegetarische Lokal auf der Insel eröffnete und unter ihre eigene vegane Produktlinie vertreibt.

Skubb – Eisdiele mit vielen veganen Sorten

Systrasamlagid – Café/ Shop mit Smoothies, roh-veganen Süßigkeiten, regionalen Produkten und einem gemütlichen Gastgarten im Innenhof

Kumiko – Im japanischen Manga-Stil gestaltetes Teehaus/Café benannt nach einer der Hauptfiguren in Haruki Murakamis Roman Mister Aufziehvogel mit süßen und herzhaften veganen Optionen

Te & Kaffi – Café-Kette mit mehreren Filialen, die leckeren Kaffee mit Pflanzenmilch, eine Auswahl veganer Snacks, ein schönes Sortiment an wiederverwendbaren Coffee-To-Go-Bechern (!!) und viele Zeitschriften zum Schmökern haben

Prepp – Hier gabs sogar ein Jackfruit Sandwich – leider nicht so lecker wie meines

Lemon Juice Bar – Snacks, Säfte und (vegane) Sandwiches, lecker aber leider viel Plastikverpackung

Weitere Tipps findet ihr auf Happy Cow !

Grundsätzlich ist Essen gehen ziemlich teuer, plant also entweder ein großzügiges Budget ein oder schaut, dass ihr eine Unterkunft findet in der ihr auch mal selbst kochen könnt.

Insgesamt hat sich das Angebot an veganem Essen in Reykjavík seit meinem ersten Besuch vor 3 Jahren wahrlich multipliziert, was natürlich mit dem geradezu explodierenden Touristenaufkommen zusammen hängt, sprich der Nachfrage. Das ist natürlich für mich als Pflanzenfresserin erstmal positiv, doch leider hat das auch seine Schattenseiten.

In den vergangenen vier Jahren hat sich die Besucherzahl verdoppelt. Im Jahr 2016 waren es 1,8 Millionen Besucher – im Vergleich dazu: Island hat knapp 340.000 Bewohner. Natürlich sind die Besucher wirtschaftlich ein Segen und haben den Isländern nach der schweren Finanzcrash 2008 viel Geld ins Land gebracht. Die Fremdenverkehrsbranche floriert.

Andererseits führt die Entwicklung dazu, dass die Mietpreise enorm gestiegen sind und sich Einheimische keine Wohnungen in der Hauptstadt mehr leisten können. Leider benehmen sich auch viele Touristen daneben, beachten entweder Sicherheitshinweise nicht und müssen von Bergen, aus zu kalten Seen oder zu heißen Quellen gerettet werden. Oder sie lassen ihren Müll liegen und zertrampeln Brut- und Naturschutzgebiete.

Die isländische Tourismusbehörde hat nun einen Anständigkeitschwur für Einreisende formuliert, der die Besucher für mehr Nachhaltigkeit und Rücksicht sensibilisieren soll.

Hoffentlich hilft’s.

Wir hatten wahnsinniges Glück mit dem Wetter, milde Temperaturen zwischen 12 – 16 Grad und ganz viele strahlende Sonnentage.

Wetterunabhängig gehört der Besuch eines public swimming pools zum guten Ton. Einheimische treffen sich dort mit Freunden. Besonders schön ist es am späten Nachmittag wenn die Sonne schon etwas tiefer steht. Die Pools sind aber mehr zum floaten (sprich rumliegen) als zum Bahnen schwimmen gedacht, Entspannung pur also…

Mein Lieblingsbad in der Stadt ist Vesturbæjarlaug – daneben gibt’s eine Imbissbude an der die Pommes nach dem floaten ganz besonders gut schmecken und gleich die Straße ein paar Meter weiter einen unabhängigen Supermarkt (also keine Kette), den ich für einen der besten in Island halte. Supergut sortiert bekommt man dort regionale Spezialitäten wie meine geliebten Salze aber auch viele vegane Produkte.

Sonst empfehle ich zum Lebensmittelkauf auch Krónan  – eine günstige Supermarktkette, die ein großes Angebot an veganen und Bio-Lebensmitteln führt.

Natürlich tue ich keine Reise ohne zu kochen und so übernahm ich das Catering der Abschlussveranstaltung des Musikfestivals, das ein Freund mit-veranstaltete.Leckereien für 45 Gäste in einer wunderschönen Off-Location.

Das Event fand im Elternhaus einer der Organisator*innen statt, einer geräumigen Stadtvilla mit Blick über die Stadt.

Das Bezauberndste war aber die Küche in der ich die Speisen zubereitete: Original im 1950er Jahre Stil gehalten, originalgetreu aus der Zeit in der das Haus erbaut wurde. Inklusive dem Herd, nach wie vor einwandfrei funktionstüchtig.

Ich habe schon an vielen abendteuerlichen Orten gekocht, über offenem Feuer oder an holzbefeuerten Öfen, aber noch nicht auf so einem schnieken Vintage-Teil: Besonders praktisch: Der Herd verfügte über zwei Backrohre, optimal um viel Essen warm zu halten.

Es war großartig, da ich mit herrlichen Zutaten kochen konnte. Die Mutter meines Freundes nahm mich mit nach Mosfellsbær wo in den Sommermonaten jeden Samstag ein kleiner Bauernmarkt stattfindet. Der Markt besteht nur aus 4 – 5 Ständen, ist aber wirklich hervorragend.

Meine Beute:

  • Blumenkohl
  • Brokkoli
  • Kohlrabi
  • verschiedene Salate
  • junge Kartoffeln
  • junge Möhren
  • blühender Rucola
  • Grün- und Schwarzkohl
  • bunter Mangold
  • Rübchen
  • Kräuter
  • Fenchel
  • Rote Bete
  • Spinat

Für das Event bereitete ich Kartoffelsalat mit selbstgemachter Mayonnaise, grüne Salate, Grünkohlsalat mit marinierten Rübchen, große Mengen ofengeschmorter Gemüse, im ganzen gegrillter Blumenkohl mit zweierlei Soßen ( Tahini-Dill-Zitrone & Smoked Mushroom Gravy) und ein Gerstenrisotto mit Fenchelgrün.

Als Nachtisch gab es Zimtschnecken mit Kirschen und Salz-Karamell-Icing.

Zur Erholung nach so viel Tam-Tam verließen wir die Stadt schließlich und mieteten uns ein wunderschönes Häuschen über Airbnb im Westen der Insel, unweit von Borganes (Nicht zu verwechseln mit den Westfjorden, die noch mal darüber liegen). Von dort machten wir zwei tolle Tagesausflüge zu den Hraunfossar Wasselfällen wo wir wilde Blaubeeren und Moosbeeren sammelten und auf die Halbinsel Snæfellsnes wo wir mit unserem Auto den Snæfellsjökull umrundeten, jenen Gletscher, den Jules Vernes für seinem bekannten Roman “Reise zum Mittelpunkt der Erde” als Einstieg in das Erdinnere wählte. Auch in dem Roman “Am Gletscher” des isländischen Autors und Nobelpreisträgers Halldór Laxness spielen sich am Fuße des Gletschers mysteriöse Dinge ab, die nicht irdisch zu sein scheinen. Uns ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen, außer dass es dort unfassbar schön war.

Aus den zerdrückten Moosbeeren machte ich, zusammen mit wild gesammeltem Sauerampfer und Löwenzahn einen Salat mit frischem jungem Mais und einer einfachen Marinade aus Zitronensalz, Olivenöl, Meersalz und Pfeffer.

Auf der Halbinsel stolperten wir auch in einen ganz besonderen public swimming pool Lýsuhólslaug.

Eigentlich als Schwimmbecken für die örtliche Schule gebaut, ist er in den Sommermonaten auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Besondere: Einerseits natürlich die atemberaubende Landschaftskulisse mit Bergpanorama, aber auch die starke Chlorella-Konzentration im Wasser: Ja, richtig gehört, man badet dort in den bei uns als Superfood berühmt gewordenen Algen. Etwas grün und schmierig, aber – wie uns versichert wurde – auch unheimlich gut für die Haut und mit angenehmen 38 Grad Wassertemperatur (bei draußen 14 Grad) super angenehm.

Am letzten Tag besuchte ich noch die Ragnar Kjartansson Ausstellung im Reykjavík Art Museum, deckte mich mit Salzspezialitäten ein und schrieb ein paar Postkarten, die ich prompt vergaß einzuwerfen und nun nach und nach persönlich überreiche.

Falls ihr auch plant nach Island zu reisen, hoffe ich, dass euch ein paar meiner Tipps helfen mögen, wünsche euch viel Spaß auf dieser einzigartigen Insel und geht schön nachhaltig mit der Natur um!

Lieber barfuß als ohne Buch (isländisches Sprichwort) – meine Urlaubslektüre:

Laura Gehlhaar – Kann man da noch was machen? Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin

Pattie Smith – M Train

Haruki Murakami – Mister Aufziehvogel

 

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