Sophia Hoffmann

Mehr Nächstenliebe!

Wusstet ihr, dass heute der Tag der Menschenrechte ist?

Dieser Tag gedenkt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International nehmen diesen Tag jedes Jahr zum Anlass, die Menschenrechtssituation weltweit kritisch zu betrachten und auf aktuelle Brennpunkte hinzuweisen.

Nächstenliebe und die Einhaltung der Menschenrechte gehen Hand in Hand.

Das Eine funktioniert nicht ohne das Andere.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Wie geht Selbstliebe und wo fängt Nächstenliebe an?

Der Wichtigkeit von Selbstliebe habe ich mich vor Kurzem  in diesem Artikel gewidmet, doch genauso wichtig ist es andere zu lieben.

Klingt einfach, ist es auch. Man muss es nur machen.

Als ich noch jünger war, war ich viel wütender.

Oft habe ich Sachen gesagt wie: „Boah, ich hasse diese oder jene Person. So ein Arschloch..XYZ!“

Versteht mich nicht falsch. Ich bin immer noch wütend.

Wütend auf Personen, die aus Machthunger über Menschenleben gehen.

Wütend auf ein System, das ermöglicht, dass ein persönlichkeitsgestörter Egozentriker den wichtigsten Job der Welt ausüben darf.

Wütend auf Menschenrechtsverletzungen, Fanatismus und Hassprediger aller Religionen und Parteien.

Wer Hass sät, wird nichts Gutes ernten. Funzt einfach nicht.

Es ist frustrierend, dass wir Menschen nicht dazu lernen.

So ein knapp bemessenes Kurzzeitgedächtnis haben.

Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Arbeiten, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Deshalb zurück zur Praxis.

Wichtig ist mich nicht von der Frustration über den Hass unterkriegen zu lassen, sondern stattdessen Liebe zu verteilen. Mit vollen Händen.

Zu kapieren, dass viele Menschen, die gemein zu anderen sind, oft selbst ein großes Problem haben – ganz un-vegan „arme Würstchen“ sind.

Die Ursprünge von Hass zu verstehen heißt nicht ihn zu tolerieren, sondern ihn mit Liebe zu bekämpfen.

Die Basis für aktive Nächstenliebe.

Wie übe ich Nächstenliebe im Alltag?

Das fängt mit dem eigenen Verhalten an:

Öfters mal lächeln in der U Bahn.

Zu 95 % wird euer Lächeln erwidert. Versprochen.

Ich bin seit Jahren darin erprobt und die Berliner U Bahn ist ein hartes Pflaster.

Wenn das hier funktioniert, klappt das überall.

Nationalitäten- und Generationen-übergreifend.

Sei nicht so schnell von anderen Menschen genervt.

Versuche ihnen mehr Empathie entgegen zu bringen.

Vielleicht geht es ihm oder ihr wirklich gerade beschissener als dir?

Wir neigen dazu unseren eigenen Stress auf andere zu projizieren, dabei sind es oft andere Einflüsse, die uns frustrieren: Hektik, Druck, Lärm, Menschenmengen, Sorgen, Gesundheit.

Der volle Bus oder die lange Schlange im Supermarkt hat damit wenig zu tun.

Atme tief durch.

Hast du es wirklich so eilig oder lässt du die junge Mutter mit dem müden Kleinkind einfach mal vor?

Braucht jemand deinen Sitzplatz oder deine Hilfe?

Wenn wir lernen gelassener und freundlicher mit unseren Mitmenschen umzugehen, können wir anfangen aktiv zu lieben.

Wie schon in meinem Artikel zur Selbstliebe erwähnt:

Verteilt Komplimente als wäre es Freibier.

Das macht die Welt so viel schöner. An wildfremde Menschen – warum nicht?

Gebt etwas ab was euch nicht weh tut und damit meine ich ganz klar: Geld.

Seit ich in Berlin lebe, sehe ich, besonders im Winter unfassbar viele Menschen, die auf der Straße leben und ich sehe wie die meisten Menschen, die nicht auf der Straße leben mit ihnen umgehen:

Sie ignorieren sie. Knallhart. Kein mit der Wimper zucken. Scheuklappen.

Wenn jemand in der Bahn um Geld oder Essen bittet, rümpfen sie sie Nase weil die offene Wunde am Bein nach Eiter stinkt anstatt etwas zu geben.

Sie drehen sich weg und kucken auf das Handy-Display.

Ich habe irgendwann beschlossen jedem Menschen, der mich um Geld bittet zumindest einen Euro zu geben. Das sind an manchen Tagen 1 Euro, an manchen Tagen 10 Euro.

Ich bin nicht reich, aber diese vielleicht 30 Euro im Monat tun mir nicht weh.

Das sind 2 Yogastunden oder 3 richtig gute Gin Tonics in meiner Lieblingsbar.

Mir ist bewusst, dass meine Spende nicht die Probleme dieser Menschen beseitigt, aber sie helfen eher als gar nichts zu tun und wegzusehen.

Oft ist es schon der Schritt einen Menschen nicht zu ignorieren, nicht davor zurück zu schrecken ihm die Hand zu geben, ihm in die Augen zu sehen und Alles Gute zu wünschen, der etwas verändert.

Viele Menschen wollen kein Geld geben weil sie sich darauf berufen, bedürftige Menschen würden sich damit „sowieso nur Alkohol und Drogen kaufen“. Es stimmt, viele Obdachlose haben ein Abhängigkeit, aber sie sind auch erwachsene Menschen und sollten selbst entscheiden dürfen was sie sich von gespendetem Geld kaufen wollen.

Bevormundung ist keine Hilfestellung auf dem Weg in ein besseres Leben.

2016 war ich bei „Get Engaged“ – einer Konferenz zum Thema Scheitern.

Einer der Speaker war Klaus Seilwinder, ein ehemaliger Obdachloser, der davon erzählt hat wie er auf der Straße gelandet ist und wie er es, dank der unvoreingenommenen Hilfe einer einzigen Familie, geschafft hat wieder ein Zuhause und ein besseres Leben zu finden. Mittlerweile führt er Touristen durch Berlin und wurde sogar von Der Zeit interviewt.

Seine Geschichte hat mich zutiefst berührt und sie zeigt, dass man mit kleinen Schritten, mit aktivem Helfen etwas verändern kann. Mit Perspektivenwechsel und Empathie-Empfinden.

Laura Villanueva, eine meiner Vegan Queens, hat letzte Woche spontan ein paar Berliner KöchInnen zusammen getrommelt und so werden wir morgen alle zusammen für Obdachlose kochen und das Essen mit mehreren Autos und Live Musik in ganz Berlin verteilen.

Ich gehe jetzt in die Küche und backe viele Bleche Plätzchen für diese Aktion bei der wir von Firmen wie Davert, Teutoburger Ölmühle, SirPlus und Mani Bläuel Olivenöle mit Sachspenden unterstützt werden.

Ich erzähle euch diese Dinge nicht weil ich damit angeben möchte, sondern weil ich zeigen will, dass man einfach mal anfangen kann.

Hier noch meine Lese- und Kuck-Empfehlungen zum Thema:

Buch: „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke (S.Fischer Verlag)

Die Autorin und Publizistin hat für dieses Buch 2016 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen. Sie bereitet das Thema wissenschaftlich und philosophisch so auf, dass wir besser verstehen lernen wo etwa der Hass gegen Fremdes, Ungewohntes herrührt aber auch wie wir agieren können um eine freie, offene Gesellschaft zu verteidigen.

Video: Die Rede der Journalistin und Aktivistin Kübra Gümüşay.

Sie hält ein Plädoyer für „Organisierte Liebe“ .

Ihre Aussage: „In Zeiten in denen Hass sich organisiert müssen wir Liebe dagegen halten!“

Gehet hin und liebet. Heute, morgen und übermorgen!

Porträtfotos: Lars Walther

Melde dich für meinen Newsletter an

Melde dich für meinen Newsletter an