Sophia Hoffmann

Zero Waste Cooking – Aktiver Klimaschutz

Jahr für Jahr landen in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden Euro im Müll. 61% davon stammen aus Privathaushalten.

Wenn wir also über bewussten Konsum, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sprechen und etwas verändern wollen, müssen wir beim eigenen Vorratsschrank beginnen.

 

Durch den Kontakt mit meinen Lesern und Kochkursteilnehmern begriff ich irgendwann, dass das, was für mich ganz selbstverständlich erscheint für andere eine Herausforderung ist:

Bewusst und maßvoll einzukaufen und alles kreativ zu verarbeiten.

Es fing mit dem Hashtag #restlfestl an, den ich auf meinem Instagram-Account verwendete um Fotos von Speisen zu kennzeichnen, die ich aus Resten gekocht hatte. Spontan, improvisativ und ohne Rezept. Oft bekam ich von Lesern Feedback in Form von Fragen nach dem Rezept. Meine Antwort: Es gibt keines. Oder nur ein Grundrezept, das ich abwandle.

Irgendwann begriff ich, dass das, was für mich und viele Hobby- & Profiköche ganz selbstverständlich erscheint für andere eine Herausforderung sein kann:

Bewusst und maßvoll einzukaufen und alles kreativ zu verarbeiten.

Ich komme aus einer Familie in der ALLES verwertet wurde. Mein Vater, der bei uns zuhause kochte, ist ein Kriegs-/Flüchtlingskind, solche Erfahrungen (Hunger) aus frühester Kindheit sitzen tief. Wenn bei uns zuhause die Milch sauer wurde, trank mein Vater die ganze Flasche demonstrativ am Abendessen-Tisch aus, er hätte sie nicht weggeschüttet. Von Papa habe ich auch gelernt Essensreste gezielt und kreativ zu verkochen. Mama war fürs haltbar machen zuständig. Sie zeigte mir wie man Marmeladen, Apfelmus, Zwetschgenkompott, eingemachte Kirschen und Holundersirup herstellt.

Wir lebten in München in einer Wohnung, aber schon von kleinauf gingen wir Pilze sammeln, die dann für den Winter im Wohnzimmer auf großen Gittern getrocknet wurden. Obwohl wir selbst keinen Garten hatten, wurden wir oft in die Gärten von Freunden meiner Eltern eingeladen, die ihre Ernte gerne mit uns teilten. Stachelbeeren, Johannisbeeren, Zwetschken, Kirschen – ich liebte diese Ausflüge als Kind und habe es nie als Defizit empfunden, dass wir selbst nur einen Balkon hatten, durfte ich doch in unendlich vielen Gärten herum tollen.

Meine Mutter war vor ihrer Pensionierung Rektorin einer Grundschule und vor ihrem Klassenzimmer stand ein wilder Apfelbaum. Sie behauptete immer er wäre aus dem Apfelbutzen eines Schulkindes gewachsen. Auf jeden Fall trug er sehr kleine, oft verwurmte aber äußerst schmackhafte Äpfel aus denen wir Apfelmus kochten. So lernte ich, dass man Fallobst nicht wegschmeissen muss, nur weil es an manchen Stellen schon angenagt oder angestoßen ist.

So verstand ich irgendwann, dass mir Resteverwertung, Umweltbewusstsein und der Recyclinggedanke von kleinauf nahegebracht wurde. Und dass ich meine Kanäle aktiv nutzen kann um dieses verinnerlichte Wissen an andere weiterzugeben.

Es geht nicht darum für jedes Lebensmittel ein Verwertungs-Rezept zu kreieren, es gibt keine Standardlösungen, aber viele Tipps und Tricks zu Einkauf, Lagerung und Verarbeitung.

Lasst uns alle versuchen so wenig wie möglich Lebensmittel wegzuschmeißen.

Für die Umwelt. Für uns. Denn auch Resteverwertung ist aktiver Klimaschutz.

Lebensmittelverschwendung ist verschwendeter Energieausstoß.

Dies betrifft besonders auch tierische Produkte.

Nichts ist für mich schlimmer als Eier, Milch oder Fleisch zu sehen, das dann am Ende weggeworfen wird. Wenn Sie tierische Produkte konsumieren, essen sie sie um Himmels Willen auf. Das ist mein Appell als vegane Köchin.

Und wenn Sie wirklich mal zu viel Essen eingekauft haben, laden sie jemanden an ihren Tisch ein.

Das macht Körper und Seele glücklich.

Hier mein ZeroWasteCooking PDF zum Download mit nützlichen Tipps für nachhaltiges Einkaufen und Verwerten.

 

 

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